Auch ich in Berlin

Interaktion mit Postkarten | Dauer 2014 - 2017, verschickt wurden über 1000 Postkarten.

Liest man Biographien von zeitgenössischen Kunst- und Kulturschaffenden so fällt ins Auge, dass oft steht lebt und arbeitet in Berlin / lives and works in Berlin – wie ein Mantra taucht dieser Satz bereits seit Jahren in Informationen zu Kultur und Kunst und in Biographien auf. Viele Schweizer Städte und Kantone unterhalten Ateliers und fördern Werkaufenthalte in der deutschen Hauptstadt.

Ich kann mir vorstellen, dass Goethe ähnliches gefühlt hatte, als er seinem Buch «Italienische Reise» den Untertitel «Auch ich in Arkadien» anfügte. Der Satz wurde vielfältig quer durch unser Kulturgeschichte angewendet und findet sich zum ersten Mal in dem gleichnamigen Gemälde des italienischen Barockmalers Giovanni Francesco Barbieri, gen. Guercino: «Et in Arcadia ego». Dort steht er auf einem Mauerstück geschrieben, auf dem ein Totenkopf liegt. Die Komposition ist gleichsam ein Stillleben mit zwei Hirten als Betrachtern im Bild. Damals war damit das Paradies gemeint, wo auch der Tot seinen Platz hat.

Seit Jahren bin ich neugierig auf Berlin, diese Stadt, die (noch immer) das kulturelle Paradies verspricht. So verbringe ich seit 2014 immer wieder Zeit in Berlin: Ja! Auch ich in Berlin, um mir über diese Stadt etwas Klarheit zu verschaffen. Damit startete 2014 ein Projekt, das länger daueren soll, und welches sich der Mailart aus den 70er Jahren erinnert. Eine Vielzahl von Postkarten mit Bildsujets aus der Berliner Geschichte und Gegenwart werden an Personen, Institutionen und Räume verschickt, die mit Kunst/Kultur etwas zu tun haben, und wo ich auch persönliche Kontakte habe. Die Karte wird mit Auch ich in Berlin und dem jeweiligen Datum bedruckt und verschickt.

Die Postkarten-Perfomanz geht Ende 2017 mit dem Einsammeln (Leihgabe) der Postkarten zu Ende.